Abschlussveranstaltung des Erasmus+-Projekts auf der Zeche Zollern, 12. Juni 2026
Alexandra Stenzel (Projektkoordinatorin)
Was einmal Babykleidung war, kehrt als Top und Hose zurück. Was einmal eine Tour-de-France-Fahne war, wird zum Kleid. Und 60 Jugendliche aus Dortmund, Poissy und Corsico beweisen, dass Mode mehr kann, als wir ihr zutrauen.
Am 12. Juni 2026 fand von 12 bis 14 Uhr auf der Zeche Zollern die Abschlussveranstaltung des Erasmus+-Projekts „Green is the new black!“ statt – ein würdiger Abschluss nach zwei Jahren intensiver Projektarbeit, an einem Ort mit Geschichte und Strahlkraft.
Laufsteg mit Haltung
Den Auftakt machte eine Modenschau mit zwei Kollektionen, eingerahmt und begleitet durch Videointerviews, die die Schülerinnen und Schüler in Mailand mit Expertinnen und Experten der nachhaltigen Modebranche geführt hatten als stiller Kommentar zu dem, was auf dem Laufsteg zu sehen war.
Die erste Kollektion entstand als gemeinsames Upcycling-Projekt der deutschen und französischen Schülerinnen und Schüler – mit Stoffen, denen ein zweites Leben geschenkt wurde: alte Babykleidung und Fahnen von Tour-de-France-Etappen, verwandelt in Kleidungsstücke und Taschen, darunter ein Kleid, das aus den Fahnen gefertigt wurde. Die zweite Kollektion kam von den französischen Schülerinnen und Schülern und widmete sich dem Thema „Jeans & Spitze“ – ein Spiel mit Kontrasten, das handwerkliches Können und kreative Auseinandersetzung mit Fast Fashion vereinte.
Moderiert wurde die Veranstaltung souverän von den Schülerinnen Vildana Martinovic, Aysu Göksu und Marua Nadr Kadr aus der Q1.
Stimmen, die bewegen
Nach der Modenschau folgte ein Podiumsgespräch unter dem Titel „Fashion Forward – How young Europeans are redefining sustainability“ – eine Bühne für Menschen aus den Bereichen Bildung, Erasmus-Programme und nachhaltige Mode, die wichtige Impulse für die Zukunft setzen.
Auf dem Podium saßen Schülerinnen und Schüler aus allen drei Partnerschulen, Schulleiterin Bettina Roska-Hofmann, Erica Brunetti (Mitgründerin und Präsidentin von Trama Plaza, Mailand), Anna Kapsalis (Erasmus-Koordinatorin der Bezirksregierung Arnsberg) und Stefan Skokan vom Netzwerk BNE-Fokusschulen der Stadt Dortmund.
Was dabei gesagt wurde, hatte Gewicht:
„Die ökologischen und sozialen Kosten der heutigen Modeindustrie sind nicht länger akzeptabel. Nachhaltige Praktiken – von einem bewussten Materialeinsatz über faire Produktionsbedingungen bis hin zu zirkulärem Design – sind entscheidend, wenn die Branche erfolgreich sein möchte, ohne Menschen oder die Umwelt zu schädigen.“
— Aysu Göksu | Schülerin, Gesamtschule Gartenstadt Dortmund
„Als ich die Arbeit hinter den Kulissen gesehen habe, bekam ich einen völlig neuen Blick auf die Modebranche und darauf, was nachhaltige Mode eigentlich bedeutet. Die Designerin hat uns gezeigt, wie schwierig es ist, wirklich nachhaltig zu arbeiten. In diesem Moment wurde mir klar, dass dieses Projekt weit mehr als nur ein Schulprojekt ist. Es ist eine Lektion fürs Leben.“
— Ahmed Thomas Usang | Schüler, Gesamtschule Gartenstadt Dortmund
„Heute haben junge Menschen gezeigt, wie nachhaltige Mode funktionieren kann. Politikerinnen und Politiker sowie Entscheidungsträger müssen diese Bemühungen sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene unterstützen. Wir brauchen beispielsweise ein Verbot der Vernichtung noch nutzbarer Kleidung.“
— Bettina Roska-Hofmann | Schulleiterin, Gesamtschule Gartenstadt Dortmund
„Wenn wir die Verbindung zwischen Mode, Gesellschaft und Umwelt vermitteln wollen, müssen wir junge Menschen einbeziehen – nicht als passive Empfänger von Informationen, sondern als aktive Mitgestalter. Wartet nicht auf die Erlaubnis der Industrie. Stellt weiterhin Fragen, organisiert Aktivitäten und Interviews, erstellt eigene Inhalte und entwickelt neue Alternativen.“
— Erica Brunetti | Mitgründerin und Präsidentin von Trama Plaza, Mailand
„Für mich bedeutet Nachhaltigkeit nicht nur ökologisches Denken. Ebenso wichtig sind Demokratie, politische Teilhabe und die Vernetzung junger Menschen aus Europa und der ganzen Welt. Gemeinsam beschäftigen wir uns mit ähnlichen Themen und entwickeln Kompetenzen für die Zukunft.“
— Stefan Skokan | Netzwerk BNE-Fokusschulen, Stadt Dortmund
„Investieren Sie mehr Geld in Bildung und insbesondere in Erasmus-Programme, damit noch mehr Schulen an Projekten wie diesem teilnehmen können. Die Ergebnisse sind einfach beeindruckend.“
— Anna Kapsalis | Erasmus-Koordinatorin der Bezirksregierung Arnsberg
Mehr als eine Schule
Beim offenen Austausch nach dem Podiumsgespräch wurde deutlich, wie tief das Thema Nachhaltigkeit in der Gesamtschule Gartenstadt verwurzelt ist. Neben den Erasmus-Projekten waren weitere Beiträge aus dem Schulalltag ausgestellt: Die Klasse 7.3 zeigte ihre Arbeiten zum Thema Fast Fashion aus der Projektlernzeit – Jeans-Upcycling und eine eindringliche Installation zum „Kleiderfriedhof“. Die Schülergenossenschaft Lautstoff präsentierte ihre Second-Hand-Shirts mit demokratiefördernden Sprüchen im Siebdruckverfahren. Und die EF stellte ein Kunstprojekt vor, das Mode als Spiegel gesellschaftlicher Fragen begreift.
Zwei Jahre Erasmus+, drei Länder, eine gemeinsame Überzeugung: Mode kann anders sein. Und junge Menschen sind die Richtigen, um zu zeigen, wie das geht.
Green is the new black.
„Sie haben viele Kompetenzen erworben, die weit über Mode und Nachhaltigkeit hinausgehen. Sie haben erlebt, dass Menschen in anderen europäischen Ländern ähnliche Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Gemeinsam können Lösungen entwickelt werden. Deshalb ist dieses Projekt ein ausgezeichnetes Beispiel für die Möglichkeiten von Erasmus+.“
— Anna Kapsalis | Erasmus-Koordinatorin der Bezirksregierung Arnsberg






















